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360 Jahre Friedrichsorter Kirchengeschichte
im Überblick
Vortrag vom 14.9.2003 in der Bethlehem-Kirche von Pastor Volker
Landa
1.
Die dänische Zeit (1631-1864)
Die Geschichte von Friedrichsort beginnt im Jahre 1631, also mitten
im 30-jährigen Krieg: Der dänische König Christian
IV. beschloss, zum Schutz gegen einen schwedischen Angriff an
der eng-sten Stelle der Kieler Förde eine Festung bauen
zu lassen. Der König äußerte den Wunsch, „Gott
möge seine Gnade dazu geben, dass die Festung zu Lob, Preis
und Ehre seines allerheiligsten Namens angelegt und erbaut werde“.
Jedoch vergaß er natürlich nicht, auch dem eigenen
Namen Ehre und Preis zu sichern: Die künftige Festung solle
Christian(s)pris heißen.
Bis dahin gab es auf dem Gebiet des heutigen Friedrichsort weder
Gebäude noch Einwohner. Das Land gehörte zum Gut Seekamp
im Kirchspiel Dänischenhagen.
So ist es nicht verwunderlich, dass sich erste Nachrichten über
kirchliches Leben in der Festung im Dänischenhagener Kirchenbuch
finden.
Spätestens 1641/42 war ein Pastor in der Festung tätig.
Wahrscheinlich gab es noch keine eigene Kirche, aber wohl einen
Kirchenraum im „Königlichen Haus“, in dem sich
König Christian IV. mehrfach aufhielt. Auch der Friedrichsorter
Friedhof ist zwischen 1632 und 1643 auf einem Hügel westlich
der Festung angelegt worden.
Im Dezember 1643 wurde die Festung von den Schweden unter General
Torstenson erobert. Dabei fiel auch die zur Sicherheit in der
Festung verwahrte Kirchenkasse von Dänischenhagen mit „540
Mark Lübsch“ (= 180 Reichstaler) den Schweden in die
Hände. Nach Verhandlungen gab Schweden 1645 die Festung wieder
an Dänemark. - 1648 ließ der Nachfolger von Christian
IV., sein Sohn Friedrich III., aus diplomatischen Gründen
die Festung schleifen, sie wurde „gänzlich demoliret“.
Auch der Kirchhof wurde „ruiniret“, einige Leichen
auf den Dänischenhagener Friedhof überführt. Allerdings
blieben Festung und Kirchhof offenbar in ihren Grundzügen
erhalten.
15 Jahre später, 1663, begann der Wiederaufbau der Festung,
nachdem König Friedrich III. die strategische Bedeutung der
Kieler Förde erkannt hatte. Diese neue, deutlich vergrößerte
Festung erhielt den Namen „Friedrichsort“.
Der König ließ von Anfang an auch die geistliche Versorgung
sicherstellen: Das Titelblatt des Ersten Friedrichsorter Kirchenbuches
berichtet von der Berufung eines Festungspastors noch im Jahr 1663.
Seit Ende 1664 wurde der Friedhof wieder benutzt. Eine schlichte
Kirche im oberen Stockwerk eines Anbaus am Kommandantenhaus, ausgestattet
mit Orgelpositiv und Glocke, bot Raum für Gottesdienste. Spätestens
ab 1681 wirkte hier ein Organist, der zugleich Küster und
Schulmeister war. Die Festungsgemeinde bestand aus den Militärangehörigen
und den Zivilpersonen (Handwerker, Weinschenk etc.), die in der
Festung lebten. Groß war die Gemeinde nicht: Die Besatzungsstärke
der Festung schwankte, lag meist bei nur 250 Mann, dazu ca. 100
Zivilisten.
Fast 200 Jahre lang führte die Festungsgemeinde ein ruhiges
Leben. Nur zwei Mal wurde die Ruhe gestört, als 1813/14 schwedische
Truppen und 1848-51 schleswig-holsteinische Truppen die Festung
jeweils kampflos besetzten. Der junge preußische Artillerie-Leutnant
Werner Siemens berichtet in seinen Lebenserinnerungen folgende
Anekdote aus dem Jahr 1848:
„
Bei Tagesgrauen erhielt ich die Meldung, daß auf der Reede
ein dänisches Kriegsschiff läge, und bald darauf wurde
ein Spion eingebracht, der ihm vom Walle aus Signale gegeben hatte.
Es war ein zitternder alter Mann, der von kräftigen Armen
gefesselt mir vorgeführt wurde. Bei dem angestellten Verhör
ergab sich, daß er Garnisonspastor [von der Heyde] war, dem
es zu unruhig in der sonst so stillen Festungsruine geworden und
der deshalb den Fischern des auf der anderen Seite des Hafeneinganges
gelegenen Dorfes Laboe das verabredete Signal zur Hersendung eines
Bootes gegeben hatte.“
Zwar gab es natürlich auch sonst im kirchlichen Leben Veränderungen
im Einzelnen, aber die Grundzüge blieben konstant.
Die Festungsprediger wurden direkt vom Dänischen König
eingesetzt und erhielten ihr Gehalt aus der Rendsburger Kriegskasse:
um 1760 waren es 800 Rthlr./Jahr. Die Lehrer waren erheblich schlechter
bezahlt - 1799: 120 Rthlr./Jahr, Wohnung und Gräsung für
eine Kuh - und wurden von den Kirchenvorstehern – das waren
der Kommandant und der Pastor – gewählt. Für beide,
den Pastor und den Lehrer gab es Dienstwohnungen in der westlichen „Torbaracke“.
Alle Pastoren stammten aus Holstein oder anderen deutschen Gebieten, „waren
also Deutsche und haben vermutlich auch den Gottesdienst in der
dänischen Festung immer in deutscher Sprache gehalten, obwohl,
namentlich in der Bauzeit, auch reichsdänische Truppen in
der Festung anwesend waren. Die Kirchenbücher sind ausschließlich
in deutscher Sprache geschrieben.“
Das erste Kirchenbuch beginnt 1666 und schließt 1763. Es
enthält Namen und Lebensdaten der Pastoren, einige Abrechnungen über
Kirchengelder, eine Auflistung der Kirchenausstattung („Spezifikation
derjenigen Sachen, so der Kirchen zu Friedrichsort zuständig“)
sowie ein Tauf- und Trauregister – leider aber kein Beerdigungs-
bzw. Sterberegister.
Das zweite Kirchenbuch umfasst den Zeitraum 1763-1899 und enthält
Register über Taufen, Konfirmanden, Confitenten (Beichtende),
Verlobungen, Trauungen und Sterbefälle.
Nachdem 1852 die letzte dänische Truppe aus der Festung zurückgezogen
und 1854 nur noch 9 Festungsbewohner vorhanden waren, verließ der
Festungsprediger im Herbst 1855 Friedrichsort und übergab
die Kirchenbücher dem Pastorat in Dänischenhagen.
Von 1855 - 1866 gab es kein eigenständiges kirchliches Leben
in Friedrichsort. Daher wird „das kleine Häuflein hier
vom Dänischenhagener Pastor mit versorgt. Von 1856-66 kommen
im Ganzen 20 Geburten..., 12 Todesfälle und 2 Eheschließungen
vor. Friedrichsort war also in dieser Zeit auf einem Tiefpunkt
seiner Entwicklung angekommen.“
Außer den Kirchenbüchern sind aus der dänischen
Zeit noch zwei kirchlich bedeutsame Zeugnisse erhalten: ein Abendmahlsgemälde,
welches heute in der Friedrichsorter Bethlehem-Kirche hängt,
signiert „JJS Anno 1714“; und eine Grabplatte von 1738:
Sie stand seit 1952 an der alten Friedhofskapelle und wurde nach
deren Abriss 1999 separat aufgerichtet.
2.
Die preußisch-deutsche Zeit 1864 - 1919: Kirche / Gemeinde
im „Kaiserlichen Friedrichsort“
Mit dem Ausgang
des Deutsch-Dänischen Krieges endete 1864
die Oberhoheit Dänemarks über das Herzogtum Schleswig,
also auch über Friedrichsort. Ohne jeden Widerstand zogen
preußische Truppen in die Festung ein und begannen bald darauf
mit deren Wiederbewaffnung.
1865 wurde Kiel preußischer Flottenstützpunkt und Friedrichsort
die „Zentralstelle für die Leitung der gesamten Befestigungsarbeiten
des Kieler Hafens“, also der Sitz der späteren Königlichen
Festungsbaubehörde. Nach dem Krieg gegen Österreich erfolgte
1867 durch das „Besitzergreifungspatent“ die Einverleibung
von Schleswig-Holstein als Provinz in den preußischen Staat,
und nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs wurde Kiel
1871 Reichskriegshafen. All dies war von entscheidender Bedeutung
für die wirtschaftliche, militärische, bauliche und bevölkerungszahlenmäßige
Entwicklung von Kiel und Friedrichsort in der Kaiserzeit und hat
natürlich auch im kirchlichen Bereich Spuren hinterlassen.
Der Neuaufbau kirchlichen Lebens ging von der Marine aus, geschah
in enger Bindung an Kaiser und Reich und trug deutliche Züge
preußischen Ordnungsdenkens:
Seit 1866 gab es ein Marine-Pfarramt in Kiel, dem zunächst
auch die Friedrichsorter Militärpersonen zugeordnet waren.
Der Kieler Marinepfarrer Büttner übernahm für 2
Jahre (1866/67) das Friedrichsorter Kirchenbuch, übergab es
1868 jedoch wieder an den Dänischenhagener Pastor, der die
Angaben für Zivilisten weiterhin darin verzeichnete. Die Angaben
für die Militärangehörigen trug das Kieler Marinepfarramt
jedoch nun in das 1868 angelegte Kieler Militärkirchenbuch
ein. – Damit war erstmals die bisher zusammengehörige
Festungsgemeinde aufgeteilt in eine Zivil- und eine Militärgemeinde. „Die
Angehörigen der Garnison gehörten zum [Marine-] Pfarramt
Kiel, die Civilgemeinde zum Pastorat in Dänischenhagen.“ -
Die Praxis sah allerdings etwas anders aus: „Der Dänhgner
Pfarrer verwaltet die [Zivil-]Gemeinde offiziell weiter. Die von
Kiel hierher kommenden Marinepf.[arrer] vollziehen aber meist
die Amtshandlungen [Taufen, Trauungen, Beerdigungen].“ -
Dieselbe preußisch-exakte Aufteilung der Zuständigkeit
wiederholte sich für die Katholiken: „Die kirchliche
Versorgung der katholischen Angehörigen der Garnison erfolgte
und erfolgt noch durch die katholischen Marinegeistlichen in Kiel,
die Seelsorge der katholischen Civilpersonen wird durch katholische
Civilgeistliche aus Kiel wahrgenommen.“
Gottesdienst-Raum war anfangs die alte „Kirche“ aus
dänischer Zeit auf dem Festungshof. Dann aber fiel sie „den
für die Kriegszwecke im Jahre 1870 erforderlichen Befestigungs-
und Armierungsarbeiten“ zum Opfer. 1870-75 fanden die Gottesdienste
im Arbeitssaal der Laboratoriums-Redoute – der Munitionsfabrik – statt.
„
Bei den damals [1872] alle 3 oder 4 Wochen hier stattfindenden
Gottesdiensten spielte der Lehrer Matz das Harmonium, wofür
er je 15 Silbergroschen aus der Kasse des Kaiserlichen Seebataillons
erhielt; doch schon nach einigen Monaten mußte er gegen eine
jährliche Entschädigung von (30) dreißig Thalern
nicht nur den Organisten- sondern auch den Küsterdienst übernehmen
und sich dabei noch verpflichten, auf seine Kosten einen Vertreter
im Küsterdienst zu engagieren, da er beide Aemter zugleich
nicht versehen konnte.“ (Schulchronik S. 3).
1875 wurde die Garnisonkirche erbaut und am 26.12.1875 durch Marinepfarrer
Büttner eingeweiht. Sie war Eigentum des Deutschen Reiches
und diente evangelischen und katholischen Marinesoldaten als „Simultankirche“ – d.h.
beide Konfessionen feierten hier Gottesdienste, aber nicht wirklich „simultan“,
sondern nacheinander.
Gelegentlich spielte die Militärkapelle im Gottesdienst oder
auch nach dem Gottesdienst vor der Kirche. Schon recht bald wird
der Wunsch laut, dass „ein neues, auch äußerlich
würdiges Gotteshaus erbaut würde!“ (Schorn 1901
S. 93) – aber: „Der Neubau einer Kirche anstelle der
alten, die im Volksmund den Namen ‚Religionsschuppen’ führt,
hat bisher, trotzdem er wiederholt, immer wieder beantragt worden
ist, nicht durchgesetzt werden können, da das große
deutsche Reich zu arm dazu ist“ (Möhrke, Chronik ca.
1909 S. 70). Schließlich hat man sich doch mit dem „Religionsschuppen“ abgefunden:
Die Kirche wurde 1913 renoviert und bekam eine neue Orgel. Die
kleine „Holzkirche“ war somit von 1875 bis 1920 Zentrum
des kirchlichen Lebens in Friedrichsort.
1878 bekam Friedrichsort wieder ein eigenes Pfarramt: „Durch
Verfügung der Kaiserlichen Admiralität ... wurde Herr
Marinepfarrer Fromholz als Garnisonpfarrer in Friedrichsort angestellt“.
Die nun hier tätigen evangelischen Marinepfarrer führten
ab 1878 ein eigenes Friedrichsorter Militärkirchenbuch. Sie
waren zunächst nur für die Militärgemeinde zuständig.
Anfangs blieben die Marinepfarrer nur sehr kurze Zeit am Ort, mussten
immer wieder an Bord gehen oder wurden an andere Garnisonen versetzt.
Kontinuierliches Arbeiten war so nicht möglich. 1885 wurde
darum das Friedrichsorter Garnisonpfarramt wieder aufgehoben, die
Militärgemeinde wieder mit dem Kieler Pfarramt verbunden.
In den Folgejahren wuchs jedoch die Friedrichsorter Bevölkerung
- vor allem durch die Ansiedlung von Arbeiterfamilien der Torpedowerkstatt
in der „Kolonie Prieser Höhe“ - so stark an, dass
1891 wieder ein eigenständiges Friedrichsorter Marinepfarramt
eingerichtet wurde und die Amtsinhaber nun - ab 1892 - nebenamtlich
auch die Versorgung der Zivilgemeinde übernahmen.
Von 1891-1920 wirkten als Marinepfarrer - und als nebenamtliche
Pastoren für die Zivilgemeinde - folgende fünf Geistliche:
L. Runze (1891-98, begann die Gemeindechronik),
Friedrich August Schorn (1898-1903, Autor des ersten Buches über
Friedrichsort: „Friedrichsort. Bilder aus der Vergangenheit
und Gegenwart“ von 1901),
Friedrich Hünemörder (1903-08),
Dr. Max Möhrke (1908-15),
Ulrich Schultz (1915-20).
Auch wenn also von 1891-1920 ein Pastor für Militärangehörige
und Zivilisten zuständig war und der Gottesdienst gemeinsam
gefeiert wurde, so blieb es doch formell bei der Teilung in eine
Militär- und eine Zivilgemeinde. Die Zivilisten gehörten
bis 1907 kirchenrechtlich zur Kirchengemeinde Dänischenhagen
und waren daher an sich in der Garnisonkirche nur zugelassene Gäste.
Das spiegelte sich u.a. in der Sitzordnung im Gottesdienst wider:
Vorne saßen die Offiziere mit ihren Damen auf Stühlen
nahe von Kanzel und Altar; in den vorderen Bankreihen kamen dann
die Zivilisten, hinten saßen die zum Gottesdienst abkommandierten
Soldaten. Marinepfarrer Runze bedauert, „dass die [Zivil-]Gemeinde
keine kirchliche Vertretung (kirchl. Organe) hat ... Nur zu leicht
kommt die Empfindung auf: ‚Wir sind nur neben der Marine-Gemeinde
geduldet.’“
Folgenreich war ein Plan des Königlichen Konsistoriums – der
kirchlichen Verwaltungsbehörde – zur Neuorganisation
der kirchlichen Verhältnisse in und um Friedrichsort ab 1905:
Da die Zivilbevölkerung im benachbarten Pries inzwischen fast
2.500 Personen umfasste, war die kirchliche Versorgung dort von
Dänischenhagen aus kaum noch zu leisten. 1905 schickte darum
das Konsistorium Carl Lensch als Hilfsgeistlichen nach Pries. Das
Konsistorium
„
... wollte die gesamte Arbeiterschaft der Kaiserlichen Werkstätten
und Depots in Friedrichsort zu einer neuen selbständigen Kirchengemeinde
zusammenschließen, die etwa aus der Zivilgemeinde Friedrichsort,
Pries und Schusterkrug unter event. Hinzulegung von Schilksee gebildet
worden wäre. ... Hauptsächlich wegen des Widerstandes
der Zivilgemeinde Friedrichsort ist dieser Plan fallen gelassen.“
Die Bewohner der Arbeiterkolonie „Prieser Höhe“ hatten
sich an den Kultusminister gewandt und sich aus finanziellen Überlegungen
dagegen ausgesprochen, „die seit alters bestehende Gemeinschaft
mit der Marinegemeinde aufzugeben.“ (Chronik S. 21). Die
Eingabe war erfolgreich:
„
Auf Grund einer Verfügung des Hrn. Kultusministers aus dem
Sommer d.J. [1906] wird die Zivilgemeinde Friedrichsort sich nun
allein als selbständige Kirchengemeinde unter Verwaltung des
Herrn Marinepfarrers organisieren und hinfort selber die Kosten
für ihre kirchl. Versorgung tragen.“ (Gem.blatt Pries)
1907 ist die Friedrichsorter Zivilgemeinde von Dänischenhagen
unabhängig und eine auch rechtlich eigenständige Kirchengemeinde
geworden – mit eigenen Gremien, Kirchenbüchern, Stempeln
usw. Der Preis: 20 % Kirchensteuer – hauptsächlich zur
Deckung der Kosten (500 M.) für die nebenamtliche Versorgung
durch den jeweiligen Marinepfarrer – und vor allem eine langfristig
verhängnisvolle Bindung an das Geschick der Militärgemeinde.
Denn die zentralen kirchlichen Institutionen (Garnisonkirche, -friedhof,
-pfarrer) unterstanden der Marine.
Pries dagegen blieb mit der Muttergemeinde Dänischenhagen
verbunden. Es hatte daher zwar keine eigenen kirchlichen Organe
(Kirchenvorstand / Kirchenkollegium), dafür aber bald einen
eigenen Pfarrer (Lensch als Pastor ab 1908), einen eigenen Friedhof
(1910) und schließlich eine eigene Kirche (1911).
Innerhalb der 15 Jahre von 1905-1920 verlagerte sich der Schwerpunkt
kirchlichen Lebens mehr und mehr von Friedrichsort nach Pries – ein
Trend, der sich nach dem I. Weltkrieg noch verstärkte.
Der alte Garnisons-Friedhof veränderte in den Jahren 1864-1919
erheblich seine Größe und Gestalt: Die südwestliche
Hälfte wurde bebaut, der Zugang zum Friedhof an die neu angelegte
Straße „Am Friedhof“ (heute: Falckensteiner Str.)
verlegt. 1901 entstand die Friedhofskapelle, 1913 die heutige Mauer.
Damit hatte der Friedhof seine heutige Größe erreicht – aber
die ursprünglich quadratische Form der Friedhofs-Anlage war
nicht mehr zu erkennen.
Von einem bemerkenswerten Begräbnis aus jener Zeit berichtet
Pfarrer Schorn: „Ein Unteroffizier vom türkischen Kriegsschiff ‚Fuad’ starb
in jenen Tagen [der Kanaleinweihung Juni 1895] und wurde von seinen
Kameraden auf dem Garnisonfriedhof von Friedrichsort nach dem Ritus
der Muhamedaner beerdigt. Die Garnison beteiligte sich an dieser
ernsten Feier und ehrte so den toten Kameraden, der fern von der
Heimat in deutscher Erde seine Ruhestätte finden sollte.“ (Schorn
S. 83)
3. 1919-1945
Dem Aufstieg des Gemeindelebens im „Kaiserlichen“ Friedrichsort
folgte der Niedergang in der Zeit zwischen den Weltkriegen. Die
Abdankung des Kaisers, das Ende des Staatskirchentums sowie die
weitgehende Entwaffnung bedeuteten eine tiefe Krise für das
Selbstverständnis einer Gemeinde, die eng mit Monarchie und
Militär verbunden gewesen war.
Für Friedrichsort führte der Krieg zu einem Rückgang
der Bevölkerungszahl von 2243 (1910) auf 1499 (1922), also
um fast 30 %. Vor allem bei den Militärangehörigen nahm
die Einwohnerzahl dramatisch ab, während sie im stärker
zivil geprägten Pries wuchs.
Den 45 Friedrichsorter Gefallenen wurde August 1920 ein Denkmal
an der Wasserallee – heute Skagerrakufer – gesetzt
sowie eine Gedenktafel in der Garnisonkirche angebracht. Viele
Soldaten der Garnison wurden entlassen, militärische Einrichtungen
aufgelöst, die Torpedowerkstatt auf zivile Produktion umgestellt,
wobei die Zahl der Beschäftigten dort von ca. 6.300 während
des 1. Weltkrieges bis 1924 auf etwa 400 sank. Arbeitslosigkeit,
soziale Not und Abwanderung waren die Folgen. Die kirchenfeindliche
Haltung der USPD führte 1919/20 zu einer größeren
Zahl von Kirchenaustritten und damit zum noch stärkeren Schrumpfen
der Kirchengemeinde.
Diese Entwicklungen konnten für die Gemeinde in Friedrichsort
nicht folgenlos bleiben: Als der letzte Marinepfarrer Ulrich Schultz
1920 nach Pyritz/Pommern ging, wurde das Marinepfarramt aufgehoben.
Für die verbliebenen Militärangehörigen war nun
wieder das Kieler Marinepfarramt zuständig. Das blieb auch
nach 1926 so, obwohl mit der Eröffnung der Marine-Unteroffizierschule
in Friedrichsort wieder eine kleine Garnison und eine Garnison-Gemeinde
vorhanden war.
Was aber sollte aus der Friedrichsorter Zivilgemeinde werden,
die bisher ja eng mit dem örtlichen Marinepfarramt verknüpft
war? Kam nun unter dem Druck der Verhältnisse doch die 1905/7
gescheiterte Vereinigung von Pries und Friedrichsort? Zitat aus
dem Gemeindeblatt Mai 1920:
„
Kirchlich bleibt vorläufig erst einmal alles beinahe so, wie
es früher war: Friedrichsort bleibt eine Gemeinde für
sich und Pries desgleichen; nur daß der Unterzeichnete an
Stelle des fortgezogenen Marinepfarrers der Gemeinde Friedrichsort
als Prediger und Seelsorger zu dienen hat und die regelmäßigen
Gottesdienste, Amtshandlungen usw. in der Kirche zu Pries statt
in derjenigen zu Friedrichsort stattfinden. ... Für besondere
Fälle, Trauungen von Personen, welche in Friedrichsort einst
konfirmiert sind, Kirchenkonzerte und dergleichen stellt die Marine
auch ferner gern die Marine-Garnisonkirche zur Verfügung.
Auch ist niemand traurig darüber, wenn die Friedrichsorter
... auch alle 4 Wochen in Friedrichsort recht zahlreich zum Gottesdienst
gehen.“
So der Prieser Pastor Carl Lensch. - Dass damit alles beim alten
geblieben sei, kann man nicht behaupten. Für die Praxis bedeuteten
die Veränderungen den Anschluss an Pries: Die Friedrichsorter
Zivilgemeinde hatte „ihren“ Pastor verloren, in „ihrer“ Kirche
fand nur noch alle 4 Wochen Gottesdienst durch einen Kieler Marinepfarrer
statt, und für die Mitbenutzung der Prieser Kirche war eine
Entschädigung zu zahlen, ferner Gehalt für den Prieser
Pastor und den Kirchendiener. – Geblieben war eine formalrechtliche
Selbstständigkeit der Gemeinde mit kirchlichen Gremien, die
stets unter dem Vorsitz des Prieser Pastors tagten!
1922 stellte sich erneut die Frage nach einer Vereinigung. Anlass
war die politische Eingemeindung von Friedrichsort, Pries und
Holtenau nach Kiel zum 1. Oktober 1922. Nun hätte es nahegelegen,
auch kirchlicherseits dem Rechnung zu tragen: Kirchlich gehörte
Pries als Pfarrbezirk II zu Dänischenhagen; zumindest auf
Prieser Seite gab es Bestrebungen, sich von Dänischenhagen
loszulösen und mit der Zivilgemeinde Friedrichsort zu verbinden,
um gemeinsam dem Kieler Kirchengemeindeverband beizutreten. – Aber
der Friedrichsorter Kirchenvorstand sprach sich erneut dagegen
aus - kirchliche Uhren gehen ja oft langsamer als andere. Vorerst
blieb es bei der Regelung von 1920: Die Prieser Pastoren Carl Lensch,
Asmus Christiansen und Max Osbahr waren im Nebenamt Pastoren der
selbstständigen Friedrichsorter Zivilgemeinde.
Seit 1932 erwog der Kirchenvorstand Friedrichsort einen Wieder-Anschluss
an das Marinepfarramt Kiel. „Die gesammte Kirchenvertretung
sprach sich für einen sofortigen Anschluß [an das Marinepfarramt]
aus, falls in Fr.ort ein Marinepfarrer wohnhaft wird.“ (KV
23.6.1933) – Die Sehnsucht nach der „guten alten (Kaiser-)Zeit“ ist
spürbar. Aber zurückdrehen ließen sich die Uhren
nicht. Aus Kostengründen entschloss man sich letztlich dann
doch zum Anschluss an Pries:
„Mit Wirkung zum 1. Juli 1936 ist die bisherige Civilgemeinde
Friedrichsort aufgehoben und in die Kirchengemeinde Dänischenhagen
eingepfarrt unter Zuteilung zum Pfarrbezirk II in Kiel-Pries.“
Damit schien das Ende der selbstständigen Zivilgemeinde Friedrichsort
gekommen.
Ü
ber die Stellung der Gesamt-Gemeinde Pries-Friedrichsort in den
Jahren des Nationalsozialismus ist den Quellen nur wenig zu entnehmen.
Es gab wohl im Kirchenvorstand „Deutsche Christen“,
Hitleranhänger – andererseits klagt Pastor Osbahr über
schwierigere Arbeitsmöglichkeiten in der Wohlfahrtspflege
und Jugendarbeit, wo NS-Wohlfahrt und Hitlerjugend wenig Raum lassen.
Was war aus der Garnisonkirche geworden? 1933-36 wurde sie renoviert,
der Altarraum umgebaut. Die nun 14-tägig gehaltenen ev. Gottesdienste
waren allerdings so schlecht besucht, dass der Marinekriegspfarrer
Lucht aus Kiel riet, hier keine Gottesdienste mehr abzuhalten.
„
Oftmals war es geradezu tragisch, indem sich der katholische Küster
dem Häuflein zugesellte, um die Zahl auf 3 oder 4 zu bringen.
Für den Pastor war jeder Gang eine Art Weg nach Kanossa. Zu
dieser Leere trug nicht zuletzt das Zusammenspiel der kirchenfremden
Kräfte des Ortes von der Bevölkerung her (SPD) und der
nationalsozialistischen Religions- und Kulturpolitik, die wie bekannt,
nicht nur die christliche Kirche öffentlich und vornehmlich
unter der Jugend zu bekämpfen versuchte, sondern auch heimlich
und hintergründig. Nach dem Willen des Dekans Sontag sollte
dieses schlichte Gotteshaus doch der evangelischen Gemeinde erhalten
bleiben. Aus diesem Grunde wurde der Aufbau der Gemeinde seit 1943
ernst betrieben.“ (Chronik S. 36f)
Zu diesem Zweck kam August 1943 Arthur Noffke als Kriegspfarrer
nach Friedrichsort.
„
Durch Bibelstunden in Privathäusern, ganz persönliche
Fühlungnahme mit noch ansprechbaren evangelischen Christen,
durch Vorträge und anderes gelang es, die Zahl der Gottesdienstbesucher
langsam zu steigern. Am Ende 1944 sah man schon 15-25, auch gelegentlich über
30 Personen.
Die römisch-katholische Gemeinde wartete angesichts der katholischen
Ausländer, die in der Torpedofertigung der Deutschen Werke
arbeiteten, mit einer großen Zahl (200-300) auf. Die Gefahr
einer Katholisierung der Kirche war außerordentlich groß.
Langsam und stetig wuchs der Besuch der evangelischen Gottesdienste,
die nach dem Zusammenbruch 1945 sonntäglich gehalten wurden.“ (Chronik
S. 37)
Was schließlich den Garnisonfriedhof betrifft, so war auch
hier der Niedergang spürbar: Während man unmittelbar
nach dem I. Weltkrieg noch ca. 100 Soldatengräber anlegte,
führte der allmähliche „Anschluss an Pries“ dazu,
dass sich immer mehr Friedrichsorter auf dem Prieser Friedhof bestatten
ließen – nicht zuletzt auch deshalb, weil die Marinebehörden
die Bestattung von Friedrichsorter Zivilisten auf dem Garnisonfriedhof
nur in besonderen Ausnahmefällen genehmigten.
4. 1945 bis
1994
Der Zusammenbruch des 3. Reiches hatte erneut die Auflösung
der Garnison und aller militärischen Einrichtungen in Friedrichsort
zur Folge. Aber anders als nach dem 1. Weltkrieg brachte das Kriegsende
keinen Bevölkerungsrückgang, sondern eine Flut von Menschen
nach Friedrichsort:
In mehreren Barackenlagern lebten bereits während des Krieges
Dienstverpflichtete, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene. Dazu
kamen dann noch Ausgebombte aus Kiel und vor allem zahlreiche Flüchtlinge
und Vertriebene aus den Ostgebieten. Während von den Kieler
Wohngebäuden 75 % zerstört oder beschädigt waren,
waren in Friedrichsort nur 10 Wohnungen durch Bomben zerstört
worden. Daher – so ist in der Chronik (S. 38) zu lesen -
„
wurden immer neue Armutsstürme in den Vorort Friedrichsort – Pries
gelenkt ... Bis in die Dachkammern hinein, wo auf wenigen Quadratmetern
Wohnraum eine ganze Familie untergebracht wurde, wurde der Ort
belegt ... Im Schurskamplager, Fritz Reuter Str. 23, waren Letten,
Esten, Litauer und da und dort auch Polen untergebracht. Diese
betrieben ihr eigenes Leben. Die dunklen Kasematten [in der Festung]
... wurden mit Flüchtlingen belegt. Drei, ja vier Familien
in einem Raum, die Einpökelung des Elends.“
Die Einwohnerzahl von Friedrichsort war von 1430 im Jahr 1935
(niedrigster Stand im 20. Jh.) auf 4336 im Jahr 1950 und weiter
auf 4431 im Jahr 1955 (höchster Stand im 20. Jh.) angestiegen.
Mit dem Kriegsende Mai 1945 war nach gut 300 Jahren das definitive
Ende der Garnisongemeinde gekommen. Aber Kriegspfarrer Noffke
arbeitete weiter. Im Herbst 1945 konnte er eine ausgebombte 3½ Zimmer-Wohnung
in der Poststr. 3 notdürftig als Pastorat und Versammlungsraum
herrichten. Hier wuchs eine „Personalgemeinde, die sich um
den Pfarrer der kriegsgefangenen Marinesoldaten scharte“ „mit
dem Ziel, Friedrichsort eine eigene Kirchengemeinde zu geben.“
Das führte zu Spannungen im Verhältnis zur Kirchengemeinde
Pries mit Pastor Osbahr. Er war seit 1926 für Pries und Friedrichsort
zuständig und hatte 1936 den „Anschluss“ der Friedrichsorter
Zivilgemeinde an Pries mit herbeigeführt. In der Prieser Gemeindechronik
schreibt Osbahr:
„Nicht erfreulich gestaltete sich leider das Verhältnis
zum noch bestehenden Marinepfarramt Friedrichsort. Es war selbstverständlich
zu begrüßen, daß sich dort um den Gottesdienst
auch Glieder der Zivilgemeinde sammelten, zumal wir in Pries sie
gar nicht alle aufnehmen konnten. Aber die Arbeit in Friedrichsort
wurde leider auch in einer überflüssigen, unfeinen Konkurrenz
getan, wobei mit allen Mitteln versucht wurde, kirchliche Kreise
der Gesamtgemeinde dem Pastor und dem gottesdienstlichen Leben
in Pries zu entfremden. Der Kirchenvorstand war gezwungen, geschlossen
dagegen Stellung zu nehmen.“
Bei dieser Entwicklung wirkte auch die unterschiedliche Lebenssituation
von „Einheimischen“ und „Fremden“ trennend:
Während sich die „Einheimischen“ eher zu Osbahr
hielten, der bereits 20 Jahre Pastor im Stadtteil war, sammelten
sich die „Fremden“ um Noffke, der selbst aus Hinterpommern
stammte, in Kiel zweimal ausgebombt wurde, die Heimat verloren
und auch Gefangenschaft erfahren hatte – er war in vielem
den „Fremden“ nahe. Die Situation der über 2000
Heimat- und Wohnungslosen sowie die Erweckungsfrömmigkeit
vieler Pommern und Ostpreußen prägte die entstehende
Friedrichsorter Gemeinde:
„
Die Teilnahme der sog. einheimischen Bevölkerung [am Gemeindeleben]
... war außerordentlich gering. Sie ist es bis auf den heutigen
Tag, sodaß die Gemeinde wie eine Schar von Fremdlingen, sowohl
in geistlicher wie auch in weltlicher Hinsicht erscheint, eine
Diaspora der geistlich Beheimateten, irdisch aber Heimatlosen.
... Die Gemeinde erfreute sich von Anfang an einer tätigen
Mitarbeit bewußter und erweckter Christen. Das war für
den Ort etwas neues“ (Noffke, Chronik S. 42f).
Im Dezember 1947 war das von Noffke angestrebte Ziel erreicht:
die Neugründung der ev.-luth. Kirchengemeinde Friedrichsort, „welche
auch Teile des alten Pfarrbezirkes Kiel-Pries umfaßt, damit
dem Pastor in Friedrichsort ein genügendes Arbeitsgebiet in
eigener Gemeinde zugewiesen wird.“ Im neuen Kirchenvorstand
war erstmals auch eine Frau (Lehrerin Luise Meyer) vertreten. Noffke
wurde zum ersten Pastor gewählt und bemühte sich, die äußeren
Bedingungen für die Entfaltung des Gemeindelebens zu verbessern.
1948 wurden eigene Mitarbeiter eingestellt.
Die Garnisonkirche sowie der Garnisonfriedhof unterstanden als
reichseigene Liegenschaften 1945-49 der britischen Militärregierung.
1948 gelang es der Gemeinde, den Friedhof unentgeltlich zu pachten
und die Garnisonkirche für 300 DM / Jahr anzumieten. Damit
waren erstmals Kirche und Friedhof nicht mehr hauptsächlich
militärisch, sondern zivil genutzt. – Auch die röm.-kath.
Kirche hatte Interesse an der Kirche gehabt – es gab ein
regelrechtes „Tauziehen“ um die Kirche. In den Verträgen
für Kirche und Friedhof ist jeweils ein Mitbenutzungsrecht
für die katholische Kirche festgeschrieben. Bis zum Bau der
katholischen Kirche „Dreieinigkeit“ in Pries 1953 wurden
in dieser Kirche regelmäßig auch katholische Gottesdienste
gefeiert. Dann erst endete die „ökumenische“ Nutzung. – Der
Gottesdienstbesuch nahm unter Noffke enorm zu: Für 1950 berichtet
die Chronik von durchschnittlich 250 Teilnehmern, dazu noch 130
Kindergottesdienst-Besucher!
Besondere Erwähnung verdient die kirchliche Arbeit in den
Lagern:
Im Lager Schurskamp gab es anfangs eine ev. lettische und eine
ev. litauische Gemeinde – ca. 400 Personen – betreut
von Prediger Michael Klimkeit. Baracke 4 war Gottesdienstraum,
Baracke 9 Gemeindesaal bzw. für Jugendarbeit des CVJM.
1949 wurde das Deportierten-Lager geräumt und mit ostdeutschen
Vertriebenen und ausgebombten Kielern neu belegt. Noffke erkannte
die Chance kirchlicher Arbeit hier vor Ort. Es gelang, Prediger
Klimkeit als Lagerseelsorger zu gewinnen – daneben war er
als Küster tätig. Die Kirchengemeinde konnte Baracke
9 als Kirchsaal einrichten – u.a. mit dem alten Abendmahlsgemälde
von 1714, das aus einer Abstellkammer der Bethlehem-Kirche hervorgeholt
wurde! – Damit war die Filialgemeinde Schurskamp entstanden.
1949 - 1964 fanden hier an jedem Sonn- und Feiertag Haupt- und
Kindergottesdienst statt. Außerdem leitete der Lagerseelsorger
mehrere Jugendgruppen. Erst im Zuge des Barackenräumprogramms
1964/65 löste sich die Filialgemeinde Schurskamp auf.
Aber auch in anderen Lagern gab es Außenstellen der Kirchengemeinde:
Sogen. „Zimmergottesdienste“ im Lager „Brauner
Berg“ bis 1961, dann ab 1959 im Obdachlosen-Lager „Alte
Festung“ (in der nördlichen Kasematte I; 1974 aufgelöst).
Ein bedeutender Schritt für die Gemeindearbeit war der Erwerb
eines Grundstückes (1948) und Bau des Gemeindehauses mit Pfarr-
und Küsterwohnungen in der Koloniestr. 3 (1950-52). Damit
hatte die Kirchengemeinde Friedrichsort erstmals ein eigenes Grundstück
und Gebäude!
Ein besonderer Schwerpunkt der gemeindlichen Bemühungen in
den ersten Nachkriegsjahren galt dem Aufbau der Jugendarbeit. Zeitweise
gab es bis zu 14 Jugendgruppen, „sodaß die evangelische
Jugend weitaus die größte Zahl in Friedrichsort beherbergte“ (Chronik
S. 44).
Lange haben hier Emil Kruska, später der Sohn Wolfgang Kruska
in enger Zusammenarbeit mit dem CVJM (bis Mitte der 70er Jahre)
gewirkt. - Bis heute gehalten hat sich der relativ eigenständig
organisierte Pfadfinderstamm St. Michael: 1949 gegründet von
Siegfried Keil u.a.
Überblickt man diese ersten Nachkriegs-Jahre, so ist beachtlich,
wie trotz der Armut der Gemeinde der Aufbau eines eigenständigen
Gemeindelebens mit Kirche, Friedhof, neuem Gemeindehaus, eigener
Pfarrstelle und einigen Mitarbeiter/innen gelang.
Die weitere Entwicklung des Gemeindelebens folgte gesamtkirchlichen
Tendenzen und Akzentsetzungen des jeweiligen Pastors:
Auf den Gemeindegründer Dr. Arthur Noffke (1943-51) folgte
Dr. Hans-Joachim Runge (1951-59). In seine Dienstzeit fällt
die Renovierung von Kirche (1955) und Friedhofskapelle (1953-57),
die ersten Feiern von Goldenen Konfirmationen (ab 1957). 1957 gründete
sich ein „Orgelbau- und Kirchenausstattungsverein e.V.“,
sodass 1959 die neue Orgel eingeweiht werden konnte.
Hinrich Toepffer (1960-67) war erst als Hilfsgeistlicher, dann
als Pastor in Friedrichsort. 1963-67 erhielt der Altarraum sein
heutiges Aussehen (Kreuz, Taufe, Lesepult, Gedenktafel). Schwerpunkt
der Gemeindearbeit war die Jugendarbeit: Ein Segelkutter wurde
gekauft, es gab Jugendgottesdienste mit Jazz-Band, das Jugend-Freizeitheim
in Krusendorf („Backhaus“) wurde ausgebaut.
In den Jahren von Dr. Runge und Toepffer gab es immer wieder den
Wunsch, eine neue Kirche – mit Gemeindezentrum und Kindergarten
- zu errichten. Anfangs war für die Bewohner von Kaserne und
Kasematten die Lage von Kirche und Friedhof günstig, dann
aber gerieten beide immer mehr an den Rand des Gemeindegebiets.
Schließlich waren auch die angeblichen Erweiterungspläne
der MaK (1967, erneut 1986) ein Anlass, eine günstigere Lage
für eine neue Kirche zu suchen.
Erwogen wurden Bauplätze hinter dem Gemeindehaus Koloniestr.
am heutigen Dieselweg, dann die Ecke Oldestraße / An der
Schanze, die Redoute – heute Gelände des AWO-Kindergartens
- und von Seiten des Stadtplanungsamtes (1968) die Anhöhe
an der Einmündung der Koloniestr. in den Christianspries,
der dann direkt an die alten Häuser verlegt werden sollte.
- Kein Plan wurde verwirklicht!
Gerhard Schmidt (1968), nur kurze Zeit in Friedrichsort, versuchte,
Camping-Seelsorge am Falckensteiner Strand (Strandgottesdienste)
zu etablieren.
Hartmut Liepke (1969-73) konnte 1969 in das neue Pastorat mit
Gemeindebüro Dieselweg 2a einziehen. Er sorgte für die
Einrichtung einer Kinderstube im Gemeindehaus (Leitung: Frau W.
Paetsch; Mitarbeit von Müttern) und hielt Eltern- und Gemeindeseminare
ab, außerdem gab es erste ökumenische Gebetsgottesdienste
sowie die Feier des Weltgebetstags (1972).
1973 erhielt die Kirche Außenabstützungen und der Glockenturm
aus akustischen Gründen eine Querverbretterung, die im Jahr
2000 wieder entfernt wurde.
Kurz, aber heftig war der Auftritt von Siegfried Munz (1973-74):
Er knüpfte Kontakte zur MaK und zur Lindenau-Werft, veranstaltete
eine Reihe „Kunst in der Kirche“ (KiK), u.a. mit Werken
des renommierten Bildhauers Jan Koblasa, und sogar den späteren
Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass holte Munz zu
einer Dichterlesung in’s Casino der MaK. – Allerdings
stieß Munz auch auf Widerstand bei Teilen der Kerngemeinde.
Der Kirchenvorstand war gespalten. Die Spannungen entluden sich
an einem Konflikt mit dem Küster. Im Ergebnis verließen
beide, Pastor und Küster, die Gemeinde.
Mit Ulrich Kalms (1975-96) kehrte wieder Ruhe ein, nachdem 1975
die Festwoche zur 100-Jahr-Feier der Kirche überstanden war.
Neu waren regelmäßige Besuche der DDR - Partnergemeinde
Altenhagen / Kreis Altentreptow, der Silbernen Konfirmation und
eine liturgisch geprägte Osternachtfeier.
1987 erhielt die Kirche den Namen „Bethlehem-Kirche“ -
allerdings sagen heute noch viele Einheimische „Garnisonkirche“ oder „Holzkirche“ -,
und 1988 wurde sie unter Denkmalschutz gestellt. Ebenfalls 1988
erfolgte eine entsprechende Namensgebung für die Kirchengemeinde:
Sie hieß bis zum 31.12.1994 „Ev.-luth. Bethlehem-Kirchengemeinde
Kiel-Friedrichsort“.
Fast zeitgleich mit Ulrich Kalms wirkte der Holtenauer Seemanns-Pastor
Gerd Rohde (1976-97) an der Bethlehem-Kirche (14-tägig im
Gottesdienst) und im Seniorenkreis als Leiter - gemeinsam mit dem
Küster Manfred Rudloff (1974-2001), der sich in besonderer
Weise um Pflege und Ausstattung der Bethlehem-Kirche verdient
gemacht hat.
Soweit zum Gemeindeleben in den 50er bis 90er Jahren. In genau
diesem Zeitraum vollzog sich aber auch ein Schrumpfungsprozess,
der schließlich 1995 zum Ende der selbstständigen Friedrichsorter
Gemeinde führte. Im Laufe der Jahre gab es immer neue Gründe
für diesen Prozess:
Schon 1951 gingen nach der Neubesetzung der Pfarrstelle Pries
[OKR Georg Prater für Osbahr] einige Gottesdienstbesucher
aus Friedrichsort in ihre eigene Prieser Gemeinde zurück – und
der Weggang des beliebten Noffke 1951 wird diesen Trend zur Abwanderung
von Friedrichsort nach Pries nicht gebremst haben.
Mitte der 50er Jahre kam das Lagerräumprogramm sowie der Abriss
der Siedlung „Kolonie Prieser Höhe“ (ab 1956)
- 1953 meldet Pastor Runge 7049 Gemeindeglieder, 1956 nur noch
5851.
Ab Ende der 50er war dann die städtebauliche Entwicklung folgenreich:
Während in den 50er Jahren etliche Wohnungen in Friedrichsort
neu errichtet worden waren, lagen ab 1958 fast alle größeren
Bauvorhaben – vor allem die „Neue Heimat“ um
den Wagnerring - im Prieser Gemeindegebiet.
Ende der 60er Jahre erklärte sich der Friedrichsorter Kirchenvorstand
bereit, die Straßenzüge, die 1947 von Pries zu Friedrichsort
gekommen waren (Prieser Strand, Monsberg, Untere Str., Obere Str.,
Weststr., Stromeyerallee, Schurskamp, Fontanestr., Samlandweg,
der untere Teil der Fritz-Reuter-Str.), an die neuerrichtete 2.
Prieser Pfarrstelle abzutreten. Das hieß für Friedrichsort
rd. 1300 Gemeindeglieder weniger.
In den 70er Jahren ließen die Kirchen-Austrittswelle sowie
der Zuzug von muslimischen und katholischen Gastarbeitern nach
Friedrichsort die Zahl der Gemeindeglieder weiter sinken: Die Gemeindegliederzahl
sank 1975 erstmals seit der Neugründung 1947 unter 2000.
Der Trend hielt auch in den 80er und 90er Jahren an: Obwohl die
Wohnbevölkerung nur noch geringfügig zurückging,
sank die Gemeindegliederzahl schließlich auf 1145 im Jahr
1994 - das waren erstmals weniger als 50 % der Einwohnerschaft!
Während die Einwohnerzahl von Friedrichsort von 1955 bis
1995 um fast 50 % sank, ging im selben Zeitraum die Zahl der Gemeindeglieder
um 81 % zurück - von ca. 6000 auf 1145.
Diese Entwicklung schlug sich natürlich auch finanziell nieder:
Seit 1984 benötigte die Gemeinde jedes Jahr finanzielle Sondermittel – sogen.
Ergänzungszuweisung.
Die Folge war fast zwangsläufig die erneute Vereinigung mit
der Kirchengemeinde Pries.
Friedrichsort war im Laufe der Jahre zur kleinsten Kieler Kirchengemeinde
geworden und finanziell allein nicht mehr überlebensfähig.
1981 regte der Kirchenkreis Kiel Gespräche zur Vereinigung
an.
Die äußeren Voraussetzungen waren günstig: Pries
und Friedrichsort waren längst zu einem Doppelstadtteil zusammengewachsen,
und auch die ehemals unterschiedlichen theologischen Prägungen
der beiden Gemeinden hatten sich abgeschliffen.
Die inneren Voraussetzungen waren dagegen schwierig: Hinsichtlich
Gemeindegliederzahl und Finanzkraft waren beide Gemeinden doch
sehr unterschiedlich, und so war zu befürchteten, dass die
bevorstehenden Einschnitte in erster Line Friedrichsort treffen
würden. Ziel der Fusion war u.a. die Verringerung des hohen
Finanzbedarfs der Friedrichsorter Gemeinde, und das hieß:
Einsparungen, Abbau von Mitarbeiter-Stellen – nicht nur,
aber vor allem im Friedrichsorter Bereich.
Anfangs waren die Kirchenvorstände beider Gemeinden skeptisch.
Friedrichsort war eher geneigt, die 1968/69 abgetretenen Straßenzüge
wieder hinzuzunehmen als eine Fusion einzugehen. Es war der Kirchenkreis
Kiel, der vorwärts drängte. Als „Anreiz“,
den Schritt in die Vereinigung zu gehen, machte der Kirchenkreis
die Zusage, sich am Neubau einer Kindertagesstätte in Friedrichsort
und an der Renovierung des Gemeindehauses in der Koloniestraße
zu beteiligen. Wenn beide Kirchenvorstände daraufhin 1994
dann doch einer Vereinigung zustimmten, so war dies eine Entscheidung,
die der Not gehorchte: Es gab vor allem für Friedrichsort
keine Alternative.
5. 1995 bis zur Gegenwart
Zum 1.1.1995 vereinigten sich die Kirchengemeinden zur „Ev.-luth.
Kirchengemeinde Pries-Friedrichsort“. Sie hatte nun 2 Kirchen,
2 Gemeindehäuser, 2 Büros, 3 Pfarrstellen, 2 Küster,
2 Sekretärinnen, 2 Gemeindepädagoginnen, 2 Organistinnen.
Dabei konnte es nicht bleiben.
Zunächst jedoch wurden die „Vereinigungsgewinne“ sichtbar:
Neubau der Kindertagesstätte (1995/96), Renovierung und Umbau
des Gemeindehauses Koloniestraße (1997), dazu mit Birke Müller
(1995-2000) seit Dez. 1995 eine junge Pastorin - erstmals eine
Frau - für den Gemeindebezirk Friedrichsort. All dies weckte
noch einmal die Hoffnung auf den Fortbestand eines eigenständigen
Friedrichsorter Gemeindelebens innerhalb der Gesamtgemeinde.
Dann aber kamen die Einschnitte: Der Kirchenvorstand beschloss
als notwendige Sparmaßnahmen, das Friedrichsorter Gemeinde-Büro
zu schließen, Plan-Stellen bei Weggang bzw. Eintritt in den
Ruhestand zu streichen (Gemeindepädagogin 1997, Organistin
1998, Küster 1999/2000, Sekretärin 2002) und die Zahl
der Gottesdienste in der Bethlehem-Kirche ab 1997 zu reduzieren
- ab 2000 nur noch ein monatlicher Gottesdienst. Und der Kirchenkreis
Kiel strich die Pfarrstelle von Pastorin Müller ersatzlos.
Der bisherige Friedrichsorter Pfarrbezirk wurde daraufhin aufgeteilt
und den Prieser Pfarrstellen zugeordnet: Barbara und Volker Landa übernahmen
das Untere Friedrichsort (Hauptstraße, Dieselweg etc.), Roland
Weiss die Straßen um den Stettiner Platz.
Zeitgleich liefen ab 1996 Verhandlungen über die Zukunft
der Bethlehem-Kirche, die immer noch Eigentum des Staates war.
Nach langen Verhandlungen drohte die Oberfinanzdirektion mit
dem Verkauf auf dem freien Markt. Nach heftigen Kontroversen
zwischen Kirchenvorstand und Kirchenkreis Kiel über das
Risiko der Folgekosten kam es zu einer Lösung, die sich
im Rückblick als Glücksgriff erweisen sollte: Ein Verein,
nämlich die aus dem Orgelbau-Förderkreis hervorgegangene „Interessengemeinschaft
Bethlehem-Kirche Kiel-Friedrichsort e.V.“ erwarb 1999 für
35.000 DM (=17.895 €) die Kirche, um sie der Öffentlichkeit
zu erhalten. Eine Nutzungsvereinbarung sichert und regelt die
gemeinsame Nutzung der Kirche durch die Gemeinde und den Verein:
Die Kirchengemeinde sorgt für die Gottesdienste, auch zu
besonderen Anlässen wie Konfirmationen, Osternacht, Einschulung
und für die Amtshandlungen. Außer Heiligabend finden
seit 2000 keine Gottesdienste parallel in der Prieser Kirche „Zum
guten Hirten“ und in der Bethlehem-Kirche statt, damit
auch die Gottesdienst-Gemeinde zusammenwächst – die
meisten der Prieser Gottesdienstbesucher gehen inzwischen auch
nach Friedrichsort, fast alle Friedrichsorter auch nach Pries
in die Kirche. - Der Gottesdienstbesuch in der Bethlehem-Kirche
hat sich deutlich verändert: Weniger, aber erheblich besser
besuchte Gottesdienste führten zu einer konstanten Jahresbesucherzahl
von ca. 1.200. – Für den Prozess der Vereinigung beider
Kirchengemeinden war es jedenfalls enorm wichtig, dass die Bethlehem-Kirche
als Predigtstätte erhalten geblieben ist.
Der Verein kümmert sich um Gebäude und Grundstück,
um Denkmalpflege und Öffentlichkeitsarbeit und vor allem um
die Organisation kultureller Veranstaltungen – Konzerte,
Vorträge und Theateraufführungen, die z.T. über
Kiel hinaus Beachtung finden. Am „Tag des offenen Denkmals“ beteiligen
sich seit 1999 Gemeinde und Verein mit einem abwechslungsreichen
Programm.
Bis jetzt hat sich diese außergewöhnliche Konstruktion
als tragfähig bewährt und viel Engagement im Verein,
in der Gemeinde und im Stadtteil freigesetzt.
Anders erging es der 1901 errichteten Friedhofskapelle: 1999 wurde
sie auf Beschluss des Kirchenkreises Kiel – er war inzwischen
Eigentümer des alten Garnisonfriedhofs geworden – abgerissen;
nach Ansicht des Kirchenkreises war sie baufällig bzw. waren
die Sanierungskosten unvertretbar hoch.
Der Abriss belastete das Verhältnis zwischen Kirchenkreis
und Kirchengemeinde erheblich. Gelegentlich war zu hören: „Die
Kapelle abgerissen, das Gemeindebüro zu, die Pfarrstelle weg,
kaum noch Gottesdienste in Friedrichsort, und die Bethlehem-Kirche
ohne Kirchensteuergelder von uns Friedrichsortern selbst finanziert – das
ist das Ergebnis 5 Jahre nach der Vereinigung!“
Dennoch kann man im Rückblick insgesamt ein eher positives
Fazit der Vereinigung ziehen:
- Die Gemeinden sind allmählich zusammengewachsen; es gibt
weder ein Friedrichsorter noch ein Prieser Eigenleben, bei Kirchenvorstandswahlen
keine Wahlbezirke etc.
- Das finanzielle Ziel ist erreicht: Seit 2001 kommt die Gesamtgemeinde
mit den ihr regulär zustehenden Kirchensteuergeldern - also
ohne „Ergänzungszuweisung“ - aus.
- Der notwendige Stellenabbau erfolgte sozialverträglich ohne
Kündigung.
- Das kleinere Friedrichsort ist nicht von Pries „verschluckt“ worden;
was Friedrichsort in die Gesamtgemeinde eingebracht hat, spielt
eine wichtige Rolle im Gemeindeleben: die Kindertagesstätte,
das renovierte Gemeindehaus mit guten Nutzungsmöglichkeiten
sowie die Kirche.
- Die Bethlehem-Kirche ist als Predigtstätte erhalten geblieben.
Vor allem die vielfältige kulturelle Nutzung bereichert das
Leben im Stadtteil und hat diese Kirche über Kiel hinaus bekannt
gemacht. Und schließlich gehen vom Trägerverein auch
gemeindeaufbauende Impulse aus.
6. Zusammenfassung
Unter dänischer Herrschaft genoss die kleine Festungsgemeinde
nach unruhigen Anfängen insgesamt eine Zeit konstanter Verhältnisse.
Die knapp 140 Jahre unter deutscher Herrschaft waren eine Zeit,
geprägt von wechselnden Abhängigkeitsverhältnissen
(von Dän.hgn, Kieler Militärpfarramt, Pries) und dem
Streben nach Selbstständigkeit:
Im Kaiserreich erlebte die Friedrichsorter Gemeinde ihre erste
Blütezeit. Dann, zwischen den Kriegen, folgte der Niedergang
und schließlich der „Anschluss“ an das größere
Pries.
1947 kam es erstmals zu echter Selbstständigkeit – aber
unter dem finanziellen Druck war die (Wieder-)Vereinigung mit Pries
1995 die logische Folge. Natürlich ging dieser Vereinigungsprozess
nicht ohne Schmerzen vor sich, jedoch hat er sich als notwendig
erwiesen und bewährt. Nicht zuletzt auch aufgrund der kirchlichen
Großwetterlage (Trend zur „Regionalisierung“,
Bildung größerer Einheiten) ist eine Rückkehr zu
einer eigenständigen Friedrichsorter Kirchengemeinde in absehbarer
Zeit nicht zu erwarten. Ihre Geschichte ist als abgeschlossen zu
betrachten.
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